Die Internet-Seiten von IDIS (dem eher politischen Ableger der KA) enthalten eine Seite, geschrieben von Giovanni Cantoni, dem "Regenten" der KA, gewidmet "Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995): ein Leben für Kirche und christliche Zivilisation":
Die "geistige Familie" der TFP ist
in 26 Ländern tätig -- Brasilien, Argentinien, Bolivien, Kanada,
Chile, Kolumbien, Ecuador, Spanien, Italien, Frankreich, Polen, Deutschland,
den Philippinen, Südafrika, Indien, Neuseeland, Australien, Großbritannien,
den USA, Peru, Portugal, Paraguay, Uruguay, Costa Rica und Venezuela; doch
die "Familie" schließt viele verschiedene örtliche Zweige ein
-- zum Beispiel gibt es in Italien neben der T.F.P. selbst die KA und das
Centro Lepanto, jede davon mit vielen Untergruppen. Wie schon gesagt ist
die KA keine Sekte, und es gelingt ihr daher, gute Beziehungen mit dem
zu pflegen, was für andere Gruppen Verräter wären.
Gemäß Plinio muß "die aus der Konterrevolution hervorgegangene Ordnung" für ihre "ständige Sorge leuchten, das Böse bereits im Embryonalstadium und in seinen versteckten Formen zu entdecken und zu bekämpfen, es mit Flüchen schlagen und als schändlich brandmarken, es mit unbeugsamer Strenge bestrafen, insbesondere was jeglichen Versuch gegen die Orthodoxie und die Reinheit der Sitten betrifft; dies alles in Gegnerschaft zur liberalen Metphysik der Revolution und ihrer Tendenz, die Zügel loszulassen und das Böse zu schützen".
Diese Worte stammen aus: Plinio Corrêa de Oliveira, Revolution und Konterrevolution, Seite 126, italienische Ausgabe, annonciert natürlich in Cristianità. Wie Cristianità uns sagt, ist "Revoluçao e Contra-Revoluçao, geschrieben im Jahre 1959, das Grundgesetz der TFP, und es liefert uns die Grundlagen für deren Lehre und Handlungen". (Cristianità, Nov.-Dez. 1995, Seite 5). Zumindest wird im Gegensatz zu Introvigne, als der über "kontroverse Texte" der Neuen Akropolissprach, nicht behauptet, das Buch sei eine "Fälschung" der "Antisektenbewegungen".
In einer von der TFP in Frankreich betriebenen Schule . . .
Das Wort "ähnliche" in Plinios Titel ist auf ein grundlegendes Problem mit Plinios brasilianischem Rittertum zurückzuführen (seine Anhänger nannten sich "Soldatenmönche" -- siehe Tradizione Famiglia Proprietà: Associazione cattolica o setta millenarista?, Rimini 1996, Seite 27): das Fehlen einer echten Aristokratie in einem Land, in dem die Eliten hauptsächlich die Funktion hatten, ihre schwarzen Sklaven Kaffee für das Frühstück der wahren Eliten in der ganzen Welt anbauen zu lassen. Das führt den Meister dazu, stolz zu behaupten, die alte brasilianische Gesellschaft sei eine richtiggehend feudale gewesen.
Giovanni Cantoni, wie wir gesehen haben,
der Koautor -- mit Introvigne -- eines Buches gegen die "Antisektenbewegungen",
stellte Plinios Aufsatz bei einem internationalen Kongreß in Rom
am 30. Oktober 1993 vor: Ein Bild auf Seite 21 zeigt Cantoni, der irgendwie
wie Sigmund Freud ausschaut, im Gespräch neben "Seiner kaiserlichen
Hoheit", Erzherzog Martin von Österreich. Cantoni zitiert den typischen
Ausdruck des Doktors -- wirtschaftliche Unterschiede "ermutigen und oftmals
verpflichten die Leute, großzügig, großmütig und
bereit zum Teilen zu sein".
Tatsächlich jedoch kommt Gegnerschaft gegen die T.F.P. meistens von Eltern von T.F.P.-Mitgliedern, selbst gewöhnlich katholische Traditionalisten, und von konservativen und traditionalistischen katholischen Lagern.
Dafür gibt es mehrere Gründe. In erster Linie hält sich die TFP außerhalb Lateinamerikas gewöhnlich im Hintergrund oder operiert durch Organisationen im Vordergrund, was die Linke gewöhnlich nicht versteht. Skinheads wenden sich woandershin, wenn sie eine Gruppe wie die TFP finden, deren Schriften schwer zu lesen sind, die im allgemeinen unauffällig ist und die von einem Mann gegründet wurde, der während des Krieges mit den britischen Konservativen sympathisierte (so sehr, daß während des Falkland-Krieges eine pro-britische Haltung eingenommen wurde). Die TFP sah den Faschismus mit seinem optimistischen Staats- und Nationalkult als eine abweichende Form des "revolutionären Sozialismus" an.
Ein weiterer Grund ist, daß die TFP noch weit mehr rechts steht als jede andere Organisation auf dem politisch rechten Flügel. Was immer die Leute tief in ihrem Inneren denken mögen, ich kenne keine andere rechte Organisation, die öffentlich sagt, daß die Reichen besser sind als die Armen. Selbst der extremste katholische Traditionalist macht die moderne Welt für das "internationale Freimaurertum" oder die "Banken-Mafia" verantwortlich, wohingegen die TFP die Schuld ganz offen den rebellischen Armen zuschiebt, denen es das selbstgestrickte "Rechtssein" entgegenhält.
Der dritte Grund hängt mit der Lehre zusammen. Katholische Traditionalisten haben wegen angeblicher Abweichungen in der Lehre Probleme mit der "Amtskirche"; die TFP jedoch ist allein daran interessiert, die Agrarreform zu bekämpfen, und nicht an der Lehre, warum sie auch das 2. Vatikanische Konzil und die Liturgiereform akzeptieren konnte. Schließlich hat der Papst mehr Bataillone, als sie Monsignore Lefèbvre je hatte.
Auch Plinios Leugnung der zukünftigen Rolle der Priester -- und gegenwärtig der Ausschluß aller Priester von den geheimeren Aspekten der Gruppe -- führte Monsignore Castro de Mayer, jahrzehntelang Plinios Gönner unter den brasilianischen Bischöfen, zu der Feststellung:
Frau Lucilia, bitte für uns
Mutter des Meisters Doktor Plinio, bitte für uns
Mutter des Doktors der Kirche, bitte für uns
Mutter unseres Vaters, bitte für uns
Mutter des Unaussprechlichen, bitte für uns
Mutter von uns allen, bitte für uns
Mutter der kommenden Jahrhunderte, bitte für uns
Mutter des axiologischen Grundsatzes, bitte für uns
Mutter des Temperamentes der Synthese, bitte für uns
Mutter aller Reinheit, bitte für uns
Mutter der Transsphäre, bitte für uns
Mutter der Ernsthaftigkeit, bitte für uns
Mutter der Konterrevolution, bitte für uns
Wiederherstellerin des Temperamentes, bitte für uns
Quelle des Lichts, bitte für uns
Erzeugerin der Unschuld, bitte für uns
Bewahrerin der Unschuld, bitte für uns
Trösterin des Herrn Doktor Plinio, bitte für uns
Mittlerin der großen Umkehr, bitte für uns
Mittlerin aller Gnaden, bitte für uns
Dämmerung des Königreiches der Maria, bitte für uns
Frau Lucilia des Lächelns, bitte für uns
Frau Lucilia der Blitze, bitte für uns
Schönste Blume von allen, bitte für uns
Unsere Zuflucht, bitte für uns
Unsere Trösterin, bitte für uns
Unsere Helferin in der Bagarre, bitte für uns
Grund unserer Ausdauer, bitte für uns
Gefäß der Logik, bitte für uns
Gefäß der Metaphysik, bitte für uns
Märtyrerin der Einsamkeit, bitte für uns
Königin des gelassenen Leidens, bitte für uns
Königin der Lieblichkeit, bitte für uns
Königin der Gelassenheit, bitte für uns
Frau Lucilia, unsere Mutter und Frau, hilf uns
Frau Lucilia, unsere größte Mittlerin vor der Jungfrau, hilf uns
(Zitiert in Tradizione Famiglia Proprietà: Associazione cattolica o setta millenarista?, Rimini 1996, Seiten 70-71)
Der außergewöhnlichste Anspruch hier ist auch der obskurste, "Mutter des axiologischen Grundsatzes": damit ist ein Grundsatz gemeint, der kein vorhergehendes Prinzip benötigt, mit anderen Worten Gott selbst.
Diese Hymne wurde öffentliches Gut, als sie von Prof. Orlando Fedeli, seit über 30 Jahren Mitglied der TFP, enthüllt wurde, der Mons. Antonio de Castro Mayer um seine Meinung bat, ob man sie als orthodox ansehen könne. Man kann erkennen, wo die Wurzeln von Introvignes Abneigung gegen "Abtrünnige" liegen. Die TFP stritt die Darstellung nicht ab; sie verlagerte nur die Schuld auf übereifrige junge Anhänger, und behauptete, die Hymne sei vollkommen orthodox (Carlo Alberto Agnoli und Paolo Taufer, TFP: la maschera e il volto, Ed. Adveniat, S.Giustina di Rimini, s.d., Seiten 17 ff.). Die Schuld den Jungen zu geben, ist eine althergebrachte Praktik bei bestimmten Arten von Organisationen. Sie behauptete auch, die Hymne werde schon seit langem nicht mehr benutzt. Die gegenwärtige offizielle Version des Themas wird von Roberto de Mattei in seiner Hagiographie von Doktor Plinio angegeben (Roberto de Mattei, Il crociato del secolo XX: Plinio Corrêa de Oliveira, Piemme, Casale Monferrato, 1996, Seite 249):
Wenn Plinios Mutter die Jungfrau Lucilia ist, dann muß ihr Nachkomme etwas Besonderes sein. Wie besonders, ist einer außergewöhnlichen Episode zu entnehmen, die man wohl kaum übereifrigen Heranwachsenden zuschieben kann, da sie auf einer Aussage Plinios basiert, wiederholt in vielen seiner Werke, und -- wie gewöhnlich -- voller Stolz in Cristianità erzählt. ("In memoriam: Plinio Corrêa de Oliveira", November-Dezember 1995, Seite 6):
Ehemalige TFP-Mitglieder haben geschrieben, daß Plinio selbst sich dieser Assoziation sehr wohl bewußt war. In bezug auf die Beschuldigung, eine Sekte zu sein, erzählte er ihnen immer wieder:
Heute erwähnt er den "Doktor" selten öffentlich. Plinios Einfluß jedoch zeigt sich noch immer in vielerlei Weise. Beispielsweise gibt Introvigne in einer Fußnote in einem Artikel ("Che cos'è il millenarismo", in Sette e religioni, Jan.-März 1991, Seite 40) plötzlich bittere Polemik gegen andere recht orthodoxe katholische Gelehrte von sich, die Zweifel an einem außergewöhnlich fanatischen und wenig bekannten französischen Prediger geäußert hatten, den heiligen Louis Maria Grignion de Montfort (1673-1716). Dieser französische Priester ist ganz zufällig -- wie wir gesehen haben -- der Lieblingsheilige von Plinio, der sein gesamtes Buch Revolution und Konterrevolution auf eine ziemlich zweifelhafte Auslegung seiner apokalyptischen Visionen gründete. Wie Plinio fromm sagt:
Dies führt Introvigne dazu, die Sonnentempler wegzuerklären, während er Moon, Scientology und dergleichen bewahren kann:
Waco andererseits war ein "christlicher Holocaust", wie Introvigne einen Artikel in Cristianitàvon Juni-Juli 1993 betitelte.
Introvignes Erklärung zu Jim Jones, einem rechtmäßig ordinierten protestantischen Pastor, der eine typisch amerikanische Sekte gründete, ehe er seine Anhänger in ihr Verderben in Jonestown führte, ist viel einfacher: sie waren Kommunisten, und Kommunisten tun nun einmal so etwas. Introvigne, der behauptet, diese Begebenheit sei die "letztendliche Schlußfolgerung eines marxistischen Weges, der zu seinen logischsten Konsequenzen geführt habe", gewesen, spricht sogar von "sowjetischen Beratern" in Jonestown -- es stellt sich die Frage, ob sie das waren, um die eigenen Genossen zu töten ober um selbst Suizid zu verüben.
Sein erster Untertitel ist recht unverblümt: "Die 'Antisektenbewegung' und der Mythos des Selbstmordkultes". Er ist ganz klar mehr daran interessiert, dem persönlichen Feind einen Schlag zu versetzen, als Jonestown zu analysieren.
Zuerst beschreibt er die "Antisektenbewegung" mit denselben Begriffen, die in jedem anderen seiner Werke über Sekten wiederkehren: die Antisektenbewegung glaube, die "Gehirnwäsche bei Sekten" [sic] habe zu dem Massenselbstmord in Guyana geführt. Dann fährt er fort und zeigt, daß die Gruppe von Reverend Jones ja eigentlich aus Kommunisten bestand.
Wahr oder nicht, dies beweist überhaupt nichts. Introvigne ist sich vollkommen darüber im klaren, daß die "Antisektenbewegung", soweit man bei einer solchen gemischten Vielfalt von Organisationen überhaupt von einem kohärenten Vorstellungskreis sprechen kann, glaubt, daß Sekten religiös, kommerziell, therapeutisch oder politisch sein können; daß die Handlungsweise zählt, und nicht das Glaubensbekenntnis. Introvigne ist sich darüber sehr wohl im klaren, da er an anderem Ort diese Vorstellung kritisiert. Tatsächlich schreibt eine führende Sektenkritikerin, Janja Lalich, auf der Grundlage ihrer Erfahrungen in einer marxistisch-feministischen Gruppe. Die Frage, die Sektenkritiker zu Jonestown stellen, ist jedoch eine völlig andere: Kann ein geschlossene Gruppe, was auch immer ihre Ideologie ist, eine solche konditionierende Atmosphäre schaffen, die dann ihre Anhänger dazu führt, Massenselbstmord zu begehen, oder war der Massenselbstmord einfach die Summe von nahezu tausend gleichzeitig getroffenen freien Entscheidungen von Männern, Frauen und Kindern?
Introvignes Schlußfolgerung ist keine Antwort auf diese entscheidende Frage:
Die Internet-Seiten von IDIS (dem eher politischen Ableger der KA) enthalten eine Seite, geschrieben von Giovanni Cantoni, dem "Regenten" der KA, gewidmet "Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995): ein Leben für Kirche und christliche Zivilisation":
Die "geistige Familie" der TFP ist
in 26 Ländern tätig -- Brasilien, Argentinien, Bolivien, Kanada,
Chile, Kolumbien, Ecuador, Spanien, Italien, Frankreich, Polen, Deutschland,
den Philippinen, Südafrika, Indien, Neuseeland, Australien, Großbritannien,
den USA, Peru, Portugal, Paraguay, Uruguay, Costa Rica und Venezuela; doch
die "Familie" schließt viele verschiedene örtliche Zweige ein
-- zum Beispiel gibt es in Italien neben der T.F.P. selbst die KA und das
Centro Lepanto, jede davon mit vielen Untergruppen. Wie schon gesagt ist
die KA keine Sekte, und es gelingt ihr daher, gute Beziehungen mit dem
zu pflegen, was für andere Gruppen Verräter wären.
Gemäß Plinio muß "die aus der Konterrevolution hervorgegangene Ordnung" für ihre "ständige Sorge leuchten, das Böse bereits im Embryonalstadium und in seinen versteckten Formen zu entdecken und zu bekämpfen, es mit Flüchen schlagen und als schändlich brandmarken, es mit unbeugsamer Strenge bestrafen, insbesondere was jeglichen Versuch gegen die Orthodoxie und die Reinheit der Sitten betrifft; dies alles in Gegnerschaft zur liberalen Metphysik der Revolution und ihrer Tendenz, die Zügel loszulassen und das Böse zu schützen".
Diese Worte stammen aus: Plinio Corrêa de Oliveira, Revolution und Konterrevolution, Seite 126, italienische Ausgabe, annonciert natürlich in Cristianità. Wie Cristianità uns sagt, ist "Revoluçao e Contra-Revoluçao, geschrieben im Jahre 1959, das Grundgesetz der TFP, und es liefert uns die Grundlagen für deren Lehre und Handlungen". (Cristianità, Nov.-Dez. 1995, Seite 5). Zumindest wird im Gegensatz zu Introvigne, als der über "kontroverse Texte" der Neuen Akropolissprach, nicht behauptet, das Buch sei eine "Fälschung" der "Antisektenbewegungen".
In einer von der TFP in Frankreich betriebenen Schule . . .
Das Wort "ähnliche" in Plinios Titel ist auf ein grundlegendes Problem mit Plinios brasilianischem Rittertum zurückzuführen (seine Anhänger nannten sich "Soldatenmönche" -- siehe Tradizione Famiglia Proprietà: Associazione cattolica o setta millenarista?, Rimini 1996, Seite 27): das Fehlen einer echten Aristokratie in einem Land, in dem die Eliten hauptsächlich die Funktion hatten, ihre schwarzen Sklaven Kaffee für das Frühstück der wahren Eliten in der ganzen Welt anbauen zu lassen. Das führt den Meister dazu, stolz zu behaupten, die alte brasilianische Gesellschaft sei eine richtiggehend feudale gewesen.
Giovanni Cantoni, wie wir gesehen haben,
der Koautor -- mit Introvigne -- eines Buches gegen die "Antisektenbewegungen",
stellte Plinios Aufsatz bei einem internationalen Kongreß in Rom
am 30. Oktober 1993 vor: Ein Bild auf Seite 21 zeigt Cantoni, der irgendwie
wie Sigmund Freud ausschaut, im Gespräch neben "Seiner kaiserlichen
Hoheit", Erzherzog Martin von Österreich. Cantoni zitiert den typischen
Ausdruck des Doktors -- wirtschaftliche Unterschiede "ermutigen und oftmals
verpflichten die Leute, großzügig, großmütig und
bereit zum Teilen zu sein".
Tatsächlich jedoch kommt Gegnerschaft gegen die T.F.P. meistens von Eltern von T.F.P.-Mitgliedern, selbst gewöhnlich katholische Traditionalisten, und von konservativen und traditionalistischen katholischen Lagern.
Dafür gibt es mehrere Gründe. In erster Linie hält sich die TFP außerhalb Lateinamerikas gewöhnlich im Hintergrund oder operiert durch Organisationen im Vordergrund, was die Linke gewöhnlich nicht versteht. Skinheads wenden sich woandershin, wenn sie eine Gruppe wie die TFP finden, deren Schriften schwer zu lesen sind, die im allgemeinen unauffällig ist und die von einem Mann gegründet wurde, der während des Krieges mit den britischen Konservativen sympathisierte (so sehr, daß während des Falkland-Krieges eine pro-britische Haltung eingenommen wurde). Die TFP sah den Faschismus mit seinem optimistischen Staats- und Nationalkult als eine abweichende Form des "revolutionären Sozialismus" an.
Ein weiterer Grund ist, daß die TFP noch weit mehr rechts steht als jede andere Organisation auf dem politisch rechten Flügel. Was immer die Leute tief in ihrem Inneren denken mögen, ich kenne keine andere rechte Organisation, die öffentlich sagt, daß die Reichen besser sind als die Armen. Selbst der extremste katholische Traditionalist macht die moderne Welt für das "internationale Freimaurertum" oder die "Banken-Mafia" verantwortlich, wohingegen die TFP die Schuld ganz offen den rebellischen Armen zuschiebt, denen es das selbstgestrickte "Rechtssein" entgegenhält.
Der dritte Grund hängt mit der Lehre zusammen. Katholische Traditionalisten haben wegen angeblicher Abweichungen in der Lehre Probleme mit der "Amtskirche"; die TFP jedoch ist allein daran interessiert, die Agrarreform zu bekämpfen, und nicht an der Lehre, warum sie auch das 2. Vatikanische Konzil und die Liturgiereform akzeptieren konnte. Schließlich hat der Papst mehr Bataillone, als sie Monsignore Lefèbvre je hatte.
Auch Plinios Leugnung der zukünftigen Rolle der Priester -- und gegenwärtig der Ausschluß aller Priester von den geheimeren Aspekten der Gruppe -- führte Monsignore Castro de Mayer, jahrzehntelang Plinios Gönner unter den brasilianischen Bischöfen, zu der Feststellung:
Frau Lucilia, bitte für uns
Mutter des Meisters Doktor Plinio, bitte für uns
Mutter des Doktors der Kirche, bitte für uns
Mutter unseres Vaters, bitte für uns
Mutter des Unaussprechlichen, bitte für uns
Mutter von uns allen, bitte für uns
Mutter der kommenden Jahrhunderte, bitte für uns
Mutter des axiologischen Grundsatzes, bitte für uns
Mutter des Temperamentes der Synthese, bitte für uns
Mutter aller Reinheit, bitte für uns
Mutter der Transsphäre, bitte für uns
Mutter der Ernsthaftigkeit, bitte für uns
Mutter der Konterrevolution, bitte für uns
Wiederherstellerin des Temperamentes, bitte für uns
Quelle des Lichts, bitte für uns
Erzeugerin der Unschuld, bitte für uns
Bewahrerin der Unschuld, bitte für uns
Trösterin des Herrn Doktor Plinio, bitte für uns
Mittlerin der großen Umkehr, bitte für uns
Mittlerin aller Gnaden, bitte für uns
Dämmerung des Königreiches der Maria, bitte für uns
Frau Lucilia des Lächelns, bitte für uns
Frau Lucilia der Blitze, bitte für uns
Schönste Blume von allen, bitte für uns
Unsere Zuflucht, bitte für uns
Unsere Trösterin, bitte für uns
Unsere Helferin in der Bagarre, bitte für uns
Grund unserer Ausdauer, bitte für uns
Gefäß der Logik, bitte für uns
Gefäß der Metaphysik, bitte für uns
Märtyrerin der Einsamkeit, bitte für uns
Königin des gelassenen Leidens, bitte für uns
Königin der Lieblichkeit, bitte für uns
Königin der Gelassenheit, bitte für uns
Frau Lucilia, unsere Mutter und Frau, hilf uns
Frau Lucilia, unsere größte Mittlerin vor der Jungfrau, hilf uns
(Zitiert in Tradizione Famiglia Proprietà: Associazione cattolica o setta millenarista?, Rimini 1996, Seiten 70-71)
Der außergewöhnlichste Anspruch hier ist auch der obskurste, "Mutter des axiologischen Grundsatzes": damit ist ein Grundsatz gemeint, der kein vorhergehendes Prinzip benötigt, mit anderen Worten Gott selbst.
Diese Hymne wurde öffentliches Gut, als sie von Prof. Orlando Fedeli, seit über 30 Jahren Mitglied der TFP, enthüllt wurde, der Mons. Antonio de Castro Mayer um seine Meinung bat, ob man sie als orthodox ansehen könne. Man kann erkennen, wo die Wurzeln von Introvignes Abneigung gegen "Abtrünnige" liegen. Die TFP stritt die Darstellung nicht ab; sie verlagerte nur die Schuld auf übereifrige junge Anhänger, und behauptete, die Hymne sei vollkommen orthodox (Carlo Alberto Agnoli und Paolo Taufer, TFP: la maschera e il volto, Ed. Adveniat, S.Giustina di Rimini, s.d., Seiten 17 ff.). Die Schuld den Jungen zu geben, ist eine althergebrachte Praktik bei bestimmten Arten von Organisationen. Sie behauptete auch, die Hymne werde schon seit langem nicht mehr benutzt. Die gegenwärtige offizielle Version des Themas wird von Roberto de Mattei in seiner Hagiographie von Doktor Plinio angegeben (Roberto de Mattei, Il crociato del secolo XX: Plinio Corrêa de Oliveira, Piemme, Casale Monferrato, 1996, Seite 249):
Wenn Plinios Mutter die Jungfrau Lucilia ist, dann muß ihr Nachkomme etwas Besonderes sein. Wie besonders, ist einer außergewöhnlichen Episode zu entnehmen, die man wohl kaum übereifrigen Heranwachsenden zuschieben kann, da sie auf einer Aussage Plinios basiert, wiederholt in vielen seiner Werke, und -- wie gewöhnlich -- voller Stolz in Cristianità erzählt. ("In memoriam: Plinio Corrêa de Oliveira", November-Dezember 1995, Seite 6):
Ehemalige TFP-Mitglieder haben geschrieben, daß Plinio selbst sich dieser Assoziation sehr wohl bewußt war. In bezug auf die Beschuldigung, eine Sekte zu sein, erzählte er ihnen immer wieder:
Heute erwähnt er den "Doktor" selten öffentlich. Plinios Einfluß jedoch zeigt sich noch immer in vielerlei Weise. Beispielsweise gibt Introvigne in einer Fußnote in einem Artikel ("Che cos'è il millenarismo", in Sette e religioni, Jan.-März 1991, Seite 40) plötzlich bittere Polemik gegen andere recht orthodoxe katholische Gelehrte von sich, die Zweifel an einem außergewöhnlich fanatischen und wenig bekannten französischen Prediger geäußert hatten, den heiligen Louis Maria Grignion de Montfort (1673-1716). Dieser französische Priester ist ganz zufällig -- wie wir gesehen haben -- der Lieblingsheilige von Plinio, der sein gesamtes Buch Revolution und Konterrevolution auf eine ziemlich zweifelhafte Auslegung seiner apokalyptischen Visionen gründete. Wie Plinio fromm sagt:
Dies führt Introvigne dazu, die Sonnentempler wegzuerklären, während er Moon, Scientology und dergleichen bewahren kann:
Waco andererseits war ein "christlicher Holocaust", wie Introvigne einen Artikel in Cristianitàvon Juni-Juli 1993 betitelte.
Introvignes Erklärung zu Jim Jones, einem rechtmäßig ordinierten protestantischen Pastor, der eine typisch amerikanische Sekte gründete, ehe er seine Anhänger in ihr Verderben in Jonestown führte, ist viel einfacher: sie waren Kommunisten, und Kommunisten tun nun einmal so etwas. Introvigne, der behauptet, diese Begebenheit sei die "letztendliche Schlußfolgerung eines marxistischen Weges, der zu seinen logischsten Konsequenzen geführt habe", gewesen, spricht sogar von "sowjetischen Beratern" in Jonestown -- es stellt sich die Frage, ob sie das waren, um die eigenen Genossen zu töten ober um selbst Suizid zu verüben.
Sein erster Untertitel ist recht unverblümt: "Die 'Antisektenbewegung' und der Mythos des Selbstmordkultes". Er ist ganz klar mehr daran interessiert, dem persönlichen Feind einen Schlag zu versetzen, als Jonestown zu analysieren.
Zuerst beschreibt er die "Antisektenbewegung" mit denselben Begriffen, die in jedem anderen seiner Werke über Sekten wiederkehren: die Antisektenbewegung glaube, die "Gehirnwäsche bei Sekten" [sic] habe zu dem Massenselbstmord in Guyana geführt. Dann fährt er fort und zeigt, daß die Gruppe von Reverend Jones ja eigentlich aus Kommunisten bestand.
Wahr oder nicht, dies beweist überhaupt nichts. Introvigne ist sich vollkommen darüber im klaren, daß die "Antisektenbewegung", soweit man bei einer solchen gemischten Vielfalt von Organisationen überhaupt von einem kohärenten Vorstellungskreis sprechen kann, glaubt, daß Sekten religiös, kommerziell, therapeutisch oder politisch sein können; daß die Handlungsweise zählt, und nicht das Glaubensbekenntnis. Introvigne ist sich darüber sehr wohl im klaren, da er an anderem Ort diese Vorstellung kritisiert. Tatsächlich schreibt eine führende Sektenkritikerin, Janja Lalich, auf der Grundlage ihrer Erfahrungen in einer marxistisch-feministischen Gruppe. Die Frage, die Sektenkritiker zu Jonestown stellen, ist jedoch eine völlig andere: Kann ein geschlossene Gruppe, was auch immer ihre Ideologie ist, eine solche konditionierende Atmosphäre schaffen, die dann ihre Anhänger dazu führt, Massenselbstmord zu begehen, oder war der Massenselbstmord einfach die Summe von nahezu tausend gleichzeitig getroffenen freien Entscheidungen von Männern, Frauen und Kindern?
Introvignes Schlußfolgerung ist keine Antwort auf diese entscheidende Frage:
Der CESNUR-Appell bedeutet auch, daß diese angeblich gelehrte Organisation sich die lächerliche Gleichsetzung der Maßnahmen in Deutschland mit "religiöser Verfolgung" und/oder der "Wiederkehr der Nazis" durch die PR-Abteilung von Scientology zu eigen macht. Was auch immer der Fehler Deutschland ist, "religiöser Fanatismus" in diesem Land hörte im Jahre 1648 auf, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, langer bevor damit in irgendeinem anderen Land Schluß war: Die Juden wurden von Hitler wegen pseudoökonomischer und pseudorassistischer Gründe verfolgt, nicht, weil sie nicht an die Dreieinigkeit glaubten, und katholische und protestantische Nazis übten vereint Druck auf protestantische Holländer und katholische Polen aus. Doch Introvigne ist sich sicher dessen bewußt -- oder sollte es sein --, daß der Grund, warum der deutsche Staat Scientology mit einiger Besorgnis betrachtet, darin liegt, daß nahezu alle Deutsche heute glauben, daß jede totalitäre Organisation im Keim erstickt werden sollte: Scientology hat dieselben Probleme und dieselben Feinde wie die Neonazis, und aus denselben Gründen. Obwohl in Deutschland noch nie ein Gesetz gegen Scientology angewendet worden ist, schlagen Scientology-Kritiker vor, die Organisation sollte den sehr strengen Gesetzen unterworfen werden, die in Deutschland zur Verteidigung der Demokratie vor dem leisesten Verdacht auf eine totalitäre Organisation bestehen. Die Vorstellung, keine Scientologen in sensiblen Behördenstellen arbeiten zu haben, gründet sich auf das berühmte "Berufsverbot", aufgrund dessen Tausende von Lehrern und anderen Beamten, die verdächtigt werden, Neonazis oder Kommunisten zu sein (das letztere eine Ideologie, die in Deutschlang eng mit dem ehemals totalitären Osten in Verbindung gebracht wird), ihre Arbeitsstellen verloren haben. Introvigne mag einer solchen antitotalitären Gesetzgebung feindlich gegenüberstehen, aber wenn er es tut, warum sagt er es dann nicht?
Introvignes Liberalismus gilt jedoch nur gegenüber Scientology. Die KA wägt ihre Worte heute sorgfältig ab, wenn auch nicht die Bedeutung dahinter; doch die TFP-Gefährten in Italien haben lautstarke Kampagnen gegen ausländische Einwanderer gestartet; sie griffen sogar nicht-politische Forschungen über das präkolumbische Amerika an und versuchten, eine seichte Komödie in einem Gemeindesaal zu stoppen, in der freundliche Witze über Priester gemacht wurden. Andere Höhepunkte sind: die ausdrückliche Verteidigung des europäischen Kolonialismus und Angriffe gegen den Islam (um den Jahrestag der Kreuzzüge zu begehen, widmete die Zeitschrift der KA Ausgabe für Ausgabe ihr Titelblatt Episoden aus den Kreuzzügen). Und was Introvignes Lieblingsthema, religiöse Toleranz, angeht, so veröffentlichte Cristianità (Januar-Februar 1993, Seiten 5 ff.) ein langes Interview mit einem argentinischen Professor, der über die Zwangsbekehrungen der amerikanischen Ureinwohner folgendes zu sagen hatte:
Scientology geht für die KA vielleicht in Ordnung, aber katholische liberale Theologie wird mit dem ganzen Repertoire an altem katholischem Brandmarken als Sekte behandelt. In "Anmerkungen zwischen Revolution und Konterrevolution" fragt die Führungsfigur Giovanni Cantoni, ob eine bestimmte progressive brasilianische Theologie eine "neo-gnostische und eine neo-wiedertäuferische" Theologie" sei? (Cristianità, November 1992, Seite 25).
Ein Lieblingsthema ist der Kampf gegen die Rechte von Homosexuellen. Am 27. September 1994 empfing der stellvertretende Vorsitzende des europäischen Parlamentes eine Delegation des "Komitees zur Verteidigung der natürlichen und christlichen Ordnung der Familie", eine T.F.P.- Organisation, die 136.000 Unterschriften gegen gleiche Rechte für Homosexuelle gesammelt hatte. Unter den Mitgliedern der Delegation waren Guillaume Babinet, Direktor der T.F.P. France; Marquis Luigi Coda Nunziante, Präsident der Famiglia Domani (eine andere T.F.P.-Organisation -- Coda Nunziante machte vor einiger Zeit Schlagzeilen, als er vor einem Gericht ein Bittgesuch gegen die italienische Gesellschaftspersönlichkeit Marina Ripa di Meana einreichte, die nackt für ein Plakat gegen Pelzmäntel posiert hatte); Professor Roberto de Mattei, Präsident des Centro Culturale Lepanto; Leopold Werner, Vertreter der T.F.P.-Covadonga, Spanien; und mehrere italienische Parlamentsmitglieder (Controrivoluzione, Nr. 37-40, April-Nov. 1995, Florenz, Italien).
Die TFP-Zweigorganisation Centro Lepanto machte am 23. Juni 1995 in Italien Schlagzeilen, als sie Irene Pivetti, die Sprecherin des italienischen Parlamentes überredete, einer besonderen Zeremonie beizuwohnen, in der Gottes Vergebung erbeten wurde, weil die Stadt Rom den Bau einer Moschee zugelassen hatte.
Das alles ist nichts Neues. So berichtet zum Beispiel eine Note eines argentinischen Freundes, wie die T.F.P. General Juan Carlos Onganías Coup im Jahre 1966 unterstützte und im Jahre 1973 einen gewaltigen Feldzug organisierte, in dem die Rückkehr von Juan Domingo Peron angegriffen wurde. Neben den massiven antikommunistischen Kampagnen im amerikanischen Stil sollte man die Beziehungen zu Augusto Pinochet erwähnen, den sie zuerst unterstützte, dann aber beschuldigte, er schenke den Armen zuviel Beachtung ("TFP: la nouvelle inquisition", in Golias, Nr. 51, Nov.- Dez. 1996, Seite 64). Diese Kritik hielt Pinochet nicht davon ab, Ettore Riesle, den Gründer des chilenischen Zweiges der T.F.P., im April 1974 als Botschafter der Militärjunta beim Heiligen Stuhl zu ernennen (Giovanni Tassani, La cultura politica della destra cattolica, Coines Edizioni, Rom, 1976, Seite 211, Fußnote 86).
Das italienische Fernsehen zeigte kürzlich Dokumentaraufnahmen aus der Allende-Zeit in Chile, darunter eine antikommunistische Demonstration der TFP: es war amüsant zu sehen, daß die jungen Demonstranten alle gleich angezogen waren wie auf der Hintergrundzeichnung auf den Seiten der Cristianità, die die Aktivitäten von CESNUR schildern, und auch dieselbe Art von großen pseudo-mittelalterlichen Fahnen trugen.
Derselbe Stil war auch in einer italienischen Fernsehsendung während einer Demonstration der Rechten Ende 1996 oder Anfang 1997 zu sehen: jeder Demonstrant der KA-Schwesterorganisation Centro Lepanto trug eine Anstecknadel mit dem sprungbereiten Löwen der T.F.P., und alle hielten ein langes Spruchband -- "PRIVATER BESITZ - EIN GÖTTLICHES RECHT". Natürlich glücklich für die, die Besitz haben. Die TFP betrachtet Besitz in der Tat als Voraussetzung für ein anständiges christliches Leben. Das ist auch der Grund für das "Besitz" in ihrem Namen. Wie Roberto de Mattei, der Führer des Centro Lepanto, es formuliert, braucht die Bewahrung katholischer Tradition eine Umgebung, die Familie; und "die Familie braucht, um zu überleben und zu wachsen, ein materielles Substrat, das ihr Leben und ihre Freiheit sichert" (De Mattei, Il crociato del secolo XX: Plinio Corrêa de Oliveira, Piemme, Casale Monferrato, 1996, Seite 203), und dieses Substrat ist natürlich der Besitz. Das heißt jedoch nicht, daß allen Menschen Besitz gegeben werden sollte; es bedeutet vielmehr, daß alle jene ihn bewahren, die ihn bereits haben. Das ist eine Art und Weise, die Erlösung zu beschränken, die so manchem Theologen zu denken geben sollte.
Dies ist eine Abhandlung über
Introvigne, nicht über Politik. Solange Menschen klar und ehrlich
überzeugte Meinungen vertreten, mag ich diesen Meinungen wohl widersprechen,
aber nicht den Personen, die sie äußern. Ich möchte nur
betonen, daß keine der Feststellungen und Aktionen, die ich zuvor
erwähnt habe und die die Grundmerkmale der Welt von Introvigne bilden,
etwas mit "wissenschaftlicher Untersuchung", "Soziologie" oder "religiöser
Toleranz" zu tun hat.
Die T.F.P. stieß zuerst in Frankreich auf erhebliche Probleme, wo die Organisation im Jahre 1967 die "Ecole Saint-Benoît" gründete, eine Privatschule in Châteauroux, auf die ausschließlich die Kinder katholischer Traditionalisten gingen und die von einer Gruppe von TFP-Kämpfern betrieben wurde. Die TFP versuchte zuerst, die unerwarteten Änderungen im Verhalten mehrerer Schüler wegzuerklären, indem sie sie als "Einzelfälle" bezeichnete. Bei einer Zusammenkunft im Jahre 1979 entdeckten die Eltern, der Kaplan und die Lehrer alle, daß diese Fälle alles andere als Einzelfälle waren, und baten die TFP, die Schule nicht weiter zu betreiben.
Die Eltern, die Lehrer und der Kaplan faßten zusammen mit mehreren Schülern ein faszinierendes kleines Buch über die Organisation und ihre Methoden ab (neu aufgelegt durch katholische Traditionalisten als Tradizione Famiglia Proprietà: associazione cattolica o setta millenarista?).
Wie bei vielen ähnlichen Gruppen entdeckten sie, daß die TFP ihre Kämpfer Schritt um Schritt lehrt, nicht zu denken: "Ihr denkt zu viel: das ist eine Versuchung des Teufels", ist die Äußerung, die ein brasilianischer Direktor gegenüber einem zweifelnden Franzosen machte; typischerweise wird "zuviel denken" ideologisch René Descartes angelastet.
Heimlichtuerei, Kontrolle der Umgebung, ständige Reisen nach Brasilien sind die Merkmale der Indoktrination, die die Organisation praktiziert.
Gemäß den Eltern und Priestern in Frankreich ist ein weiteres interessantes Merkmal die ständige Herabsetzung aller anderer katholischen Traditionalisten, die generell der "weißen Ketzerei" beschuldigt werden, womit "revolutionäres Verhalten" gemeint ist (schwarze Ketzerei meint "revolutionäres Denken").
Im vorurteilsbehafteten Jargon der Gruppe werden T.F.P.-Kämpfer gelehrt, von ihren Eltern als "F.M.R." zu sprechen, Fontes minha revolução, den "Quellen meiner Revolution"; Eltern können jedoch für ihre revolutionären Tendenzen durch Finanzierung der Bewegung Sühne leisten.
Das entscheidende Jahr, die Kehrtwendung der Katholischen Allianz (und Introvignes) von den Angriffen auf die "Jehovistensekte" auf die ebenso bissigen Angriffe auf die "Antiektenbewegung" zu verstehen, ist 1985.
Die TFP wurde 1984 in Venezuela verboten. Was uns interessiert, sind nicht die Fakten selbst, sondern die Art, in der die T.F.P. sie ansah. Der unmittelbare (und ziemlich unwahrscheinliche) Grund war, daß die Organisation sich angeblich verschworen hatte, ein Attentat auf den Papst zu verüben. Dies ereignete sich, kurz nachdem ein ehemaliges TFP-Mitglied (aber sicherlich ein Einzelgänger) versucht hatte, den Papst in Fatima in Portugal umzubringen.
Doch in typischem Szenario wurden viele besorgte Eltern von TFP-Mitgliedern in die Sache verwickelt, und die TFP wurde in der Hauptsache beschuldigt, "eine Sekte zu sein".
Die Episode wird so etwa Mitte 1985 im Bollettino delle 15 TFP, Jahrgang 1, Nr. 5 geschildert. Der Titel ist bedeutsam: "Sozialistische Wut schlägt gegen TFP-Widerstand".
Wie in derartigen Fällen üblich, wird für die ganze Episode nicht etwa die Asociación Civil Resistencia, die örtliche T.F.P.-Organisation, sondern die Regierung verantwortlich gemacht: Angeblich war es der T.F.P.-Feldzug gegen ein von der herrschenden Partei verabschiedetes sozialistisches Gesetz, das die Rache der Regierung gegen die Gruppe hervorrief. Was gleichfalls typisch ist: Wir erfahren nicht, was die Beschuldigungen der Regierung gegen die T.F.P. waren, sondern nur die Verteidigung der T.F.P. gegen eine "Reihe von Verfolgungen", "eine gewalttätige Verfolgung" und "die dichteste und totalste Propagandakampagne, die "man sich vorstellen kann". Was von besonderem Interesse ist:
In dem Dokument des parlamentarischen Komitees, das das Verbot der TFP forderte, hieß es:
Viele ehemalige Mitglieder der Organisation hatten damit begonnen, kontroverse Aspekte aufzudecken. Die TFP reagierte darauf, indem sie einen Text veröffentlichte mit dem bedeutsamen Titel: "Die neue atheistische und psychiatrische Inquisition ruft alle, die sie möchte, dazu auf, 'Sekten' zu vernichten" (Herausgeber: Gustavo Antonio und Luís Sérgio Solimeo, Société Française pour la Defense de la Tradition, Famille et Propriété, Paris 1991, Übersetzung des spanischen Textes von 1985). Im selben Jahr veröffentlichte die TFP in Kolumbien ein kleines Buch mit dem Titel: "Gehirnwäsche: Was ist das? Eine machiavellische Einrichtung? Satanisch?", in dem natürlich verschiedene Quellen angeführt wurden, um zu leugnen, daß es so etwas wie "Gehirnwäsche" überhaupt gebe.
Der Kampf gegen diese "neue Inquisition", der -- in dem ersten oben genannten Text -- "einer Allianz zwischen sozialistischen Politikern und Freudschen Psychiatern" zugeschrieben wird, ruft nach einer Koalition selbst mit denjenigen, deren Schicksal im zukünftigen Mittelalter "unbeugsame Bestrafung" sein wird, d.h. mit anderen Gruppen, die beschuldigt werden, Sekten zu sein.
Damit verbunden ist auch die Erfindung eines Feindes, den es gar nicht gibt: die "weltliche Antisektenbewegung", die angeblich ideologische und antireligiöse Zwecke verfolgt. Natürlich gibt es Sektenkritiker: doch in praktisch jedem Fall wurden ihre Organisationen von Personen mit unmittelbaren Familienproblemen gegründet, nicht von solchen mit irgendeinem ideologischen Hintergrund. Und "Psychiater und Sozialisten" wissen nur sehr wenig über die TFP: die meisten gut belegten Kritiken kommen von katholischen Traditionalisten, die demselben Milieu angehören.
Ich bin nicht in der Lage gewesen, diese Bücher aufzustöbern, daher weiß ich nicht, in welcher Beziehung sie zu einem kleinen Buch stehen, das ich auftreiben konnte und das von entscheidender Bedeutung für ein Verständnis des gesamten Themas des Krieges von Introvigne gegen die "Antisektenbewegung" ist, wie schon aus dem Titel zu ersehen ist: "Gehirnwäsche: Ein von der neuen 'Therapeutischen Inquisition' ausgebeuteter Mythos". Das Buch stammt aus dem, wie wir gesehen haben, entscheidenden Jahr: 1985.
Dieses Büchlein enthält, wenn auch erst in primitiver Form, bereits alle Vorstellungen, die Introvigne später entwickeln sollte: es ist tatsächlich ganz offenbar der Archetypus aller seiner späteren Schriften.
Der einzige Unterschied ist, daß es nicht den Anspruch erhebt, ein Werk akademischer Gelehrsamkeit zu sein. Wie die meisten extremistischen Veröffentlichungen ist es anonym und nur unterzeichnet von der "Amerikanischen Gesellschaft für die Verteidigung von Tradition, Familie und Besitz (TFP) und der Stiftung für eine christliche Zivilisation, Inc". Die Titelseite führt dann näher aus, daß "diese Untersuchung in Kolumbien und Brasilien herausgegeben" worden ist. Es ist nicht leicht, den Ursprung dieses Textes zu verstehen: obwohl der Inhalt eindeutig aus den USA stammt, handelt es sich um eine Übersetzung aus dem in Brasilien gesprochenen Portugiesischen.
Der Text ist in zwei voneinander unterschiedene Teile aufgeteilt: ein Vorwort Plinio Corrêa de Oliveira, das die ideologischen Richtlinien für den Krieg gegen die "Antisektenbewegung" festlegt, und einen größeren Teil, anonym, der hauptsächlich aus einer Sammlung von Zitaten verschiedener Persönlichkeiten besteht, die alle dazu neigen, zu beweisen, daß es so etwas wie "Gehirnwäsche" nicht gibt. Wie wir sehen, sind diese Zitate etwas wenig überzeugend, werfen jedoch eine Frage auf: Wie brachte es diese brasilianische Organisation plötzlich fertig, bei diesem ersten Exkurs auf dieses Feld so viele Zitate von US-Gelehrten zu finden? Ein brasilianischer Experte über die Prophezeiungen von Fatima wüßte ja wohl nicht einmal, wo er nach solchen Punkten wie einem Artikel von Faber, Harlow und West in Sociometry, Band 20, Nr. 4, Dezember 1957, Seiten 271-285, um einen typischen bibliographischen Verweis anzuführen, Ausschau halten sollte. Dies ist nur eine Hypothese, aber es läßt sich vermuten, daß dieser Text großenteils von einer anderen Veröffentlichung einer US-Gruppe abgeschrieben wurde, vielleicht der Vereinigungskirche, die wesentlich mehr Erfahrung darin hatte, Anschuldigungen, sie sei eine Sekte, zu widerlegen. Es wäre wahrscheinlich nicht schwierig, das Original aufzustöbern.
Dieses Vorwort des Doktors legt bereits in seinem Titel die Betrachtungsweise fest, der Introvigne noch ein Jahrzehnt später folgen sollte: "Gehirnwäsche und Sekte: Zwei undefinierbare Schlagwörter, die den Weg zu weltweiter Tyrannei und religiöser Verfolgung ebnen".
Eine Reihe von "extravaganten" Organisationen kommt auf der ganzen Welt hoch.
Wie Introvigne in seiner Kritik an Jonestown fügt Plinio hinzu:
Nun geht Plinio dazu über, sich über "Gehirnwäsche" auszulassen:
Plinio rennt mit seinem Angriff gegen die Gehirnwäsche offene Türen ein: Gehirnwäsche meint Manipulation unter physischem Zwang; in modernen westlichen Sekten gibt es nur wenig Gelegenheit für körperlichen Zwang im chinesischen Stil, daher stimmt die ganze Theorie von der "Gehirnwäsche" nicht. Das Problem dabei ist, daß jede vernünftige Sektenkritik mit ihm übereinstimmen würde. Und tatsächlich wird der Psychiater Louis Jolyon West in dem Buch positiv angeführt: als Kritiker der Idee einer "Gehirnwäsche". Was der Scheiber mitzuteilen vergißt, ist, daß West sicher einer der führenden Kritiker einer Sektenkontrolle ist.
Ein ganz anderer Punkt ist, ob die soziale Umwelt äußerst überzeugend wirken kann; ganz getrennt von dem ganzen Thema mit Sekten ist jeder Versuch, das zu leugnen, hier zum Scheitern verurteilt. Ein offensichtliches, wenn auch extremes Beispiel waren die Menschenopfer bei den Azteken: egal, ob der einzelne Priester es genoß, mit seinem Obsidianmesser zuzustoßen, es gibt nur geringen Zweifel, daß er in sozialer Hinsicht davon überzeugt war, daß es eine höchst moralische Sache war, das zu tun. Und tatsächlich wäre es höchst unmoralisch, es nicht zu tun.
Doch wie wir gesehen haben, war "Gehirnwäsche" (lavado de cerebro) sicherlich eine offene Beschuldigung, die gegen eine Gruppe erhoben wurde: Plinios TFP.
Der wahre Grund für Plinios plötzliches Interesse an "Gehirnwäsche", "Sekten" und die "Antisektenbewegung" kommt erst zusammen mit einer introvignesken Verschlagenheit am Ende seines Vorwortes zum Vorschein. Nach der Feststellung, die einzige Lösung für "extravagantes Verhalten" sei, die verlorenen Schafe "wieder in die Hürde der heiligen katholischen Kirche zurückzubringen", sagt er:
Ein Zitat kommt recht überraschend;
ehe man jedoch Anschuldigungen böser Absicht gegen die Verfasser der
TFP losläßt, sollte man sich daran erinnern, daß das Buch
wahrscheinlich nur eine Neuauflage von Material ist, das andere gesammelt
haben. Auf Seite 18 enthält das Buch ein langes Zitat aus Gedankenreform
und die Psychologie des Totalitarismus von Robert J. Lifton, der den
Mißbrauch des Begriffes "Gehirnwäsche" in anderem Zusammenhang
als mit physischem Zwang anprangert. Was derjenige, der das Material zusammengetragen
hat, offenbar nicht wußte, ist, daß diese Kritik Teil von Liftons
Vorschlag war, eine völlig andere Terminologie zu verwenden, um Manipulationen
ohne Anwendung physischer Gewalt zu beschreiben; und Liftons Vorschläge
waren die theoretische Grundlage für die ganzen Überlegungen
der "Antisektenbewegung" zu Überzeugung und (wie sich der Begriff
später entwickelte) Gedankenkontrolle. Selbst Introvigne mußte
diese Tatsache zugeben, ohne jedoch Doktor Plinios Anweisungen zu verletzen:
diese im Widerspruch zueinander stehenden Forderungen haben ihn dazu gebracht,
von "Gehirnwäschetheorien der zweiten Generation" zu sprechen.
Im Jahre 1985 griff der Sexologe Introvigne immer noch die "Jehovistensekte" an. 1987 veröffentlichte der Soziologe Introvigne Il reverendo Moon e la Chiesa dell'Unificazione(Elle Di Ci, Leumann, Turin), das erste Buch in seinem Krieg gegen die "Antisektenbewegung". Schließlich wird sogar in einem neueren Lebenslauf (in Libertà religiosa, 'sette' e diritto di persecuzione, Seite 150) eingeräumt, daß es erst "in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war", daß Introvigne ein Spezialist für "zeitgenössische 'neue Religiosität'" wurde.
Sollen wir annehmen, daß Introvignes plötzliche Verwandlung um das Jahr 1985 in enger Beziehung zu diesem Feldzug der T.F.P. stand?
Es gibt mehrere Gründe für die Annahme, dies sei kein Zufall gewesen.
Zuallererst war es nicht Introvigne allein, der die Fronten wechselte: dieselbe symbiotische Beziehung zwischen der KA und Introvigne bestand vor und nach dem Frontwechsel.
Und der Frontwechsel betraf die gesamte KA, die sehr eindeutig ihre Sektenpolitik in derselben radikalen Weise änderte.
Zweitens kann man die Schriften Introvignes alle als ausführliche Serie von Fußnoten lesen, die die ursprüngliche These des "Doktor Plinio" über "Sekten und Gehirnwäsche" bestätigen. Wieviel er auch geschrieben haben mag, keines seiner folgenden Werke zeigt die leiseste Abweichung von diesen Richtlinien.
Drittens offenbart Introvigne in seinen persönlicheren Schriften in Cristianità ganz offen die strategische Natur der Sektenrechtfertigung; er stellt sie als notwendige Waffe im Kampf gegen die "Freudsche und marxistische Antisektenbewegung" und als Schutz von Opus Dei und anderen Gruppen (die T.F.P. wird nur selten erwähnt) gegen "Verfolgung" dar.
Es ist nichts Ungewöhnliches daran, wenn T.F.P.-Zweige die Anweisungen des "Doktors" aufnehmen und sie auf der ganzen Welt anwenden.
Man kann natürlich Dokumente aus dem Textzusammenhang gelöst zitieren, um fast jedes Szenario zu schaffen; ich glaube jedoch, daß ich die Dokumente korrekt zitiert habe -- in ihrem Textzusammenhang -- und im Gegenteil keine wichtige Information ausgelassen habe.
Natürlich sind öffentlich zugängliche Dokumente nur der letzte und am wenigsten authentische Schritt in einem langen Prozeß: ausschlaggebende Entscheidungen werden nie in Zeitschriften getroffen.
Doch die Dokumente, die zugänglich sind, scheinen eine Aussage zu bestätigen, die von ehemaligen Mitgliedern der KA (die nebenbei bemerkt nicht in eine "Antisektenstruktur sozialisiert" wurden) immer wieder vorgebracht wird: daß Massimo Introvigne sich als Folge einer Reise nach Brasilien entschloß, CESNUR zu gründen. Reisen nach Brasilien spielen, wie das Buch Tradizione Famiglia Proprietà: Associazione cattolica o setta millenarista?zeigt, eine sehr wichtige Rolle, um den sozialen Zusammenhang der Organisation zu bewahren.
Ich war selbst kein Mitglied der T.F.P.; deshalb kann ich nicht sagen, ob es sich um eine Sekte handelt. Was jedoch offensichtlich ist: die T.F.P. hat dieselben Erfahrungen gemacht wie Gruppen wie Scientology und Moon: Probleme mit den Eltern und Angehörigen von Mitgliedern und Beschuldigungen, heimlichtuerisch und doppelzüngig zu sein; Anklagen der Manipulation, des Personenkults und des aggressiven Jüngermachens. Und die Reaktion war genau dieselbe: die Schuld wird imaginären "Antisektenbewegungen" gegeben, die von "Psychiatern" betrieben werden.
Vermutlich entschloß sich die TFP dazu, auf solch einen unwahrscheinlichen Feind einzuhacken, weil ein Angriff auf die katholische Kirche ihre Quelle an idealistischen jungen Katholiken ausgetrocknet hätte (ehe er für Introvignes Theorien Partei ergriff, schob der Gründer der Neuen Akropolis, J.A. Livraga, die Schuld auf das Opus Dei und die Furcht des Vatikans vor dem "Giganten der Geschichte", womit er die winzige Organisation der NA meinte); ein Angriff auf Regierungen ist natürlich überall eine nicht ratsame Vorgehensweise.
Ist dieses ideologische Bild einmal gezeichnet, muß ihm alles eingepaßt werden.
Jeder, der etwas von sektenbeobachtenden Organisationen kennt, weiß, daß fast alle gegründet wurden, um ein Problem zu lösen: das der trauernden Eltern und desorientierter ehemaliger Sektenmitglieder. In diesem Sinne ähneln sektenbeobachtende Organisationen sehr anderen Selbsthilfegruppen, die durch Menschen geschaffen wurden, deren Leben zerstört wurde. Wenn solche Gruppen voreingenommen sind, dann sind es die typischen spontanen Voreingenommenheiten von Eltern -- sie sind in keiner Weise ideologisch, und in jeder sektenbeobachtenden Bewegung gibt es Menschen mit den unterschiedlichsten Ansichten, deren gemeinsames Problem jedoch viel wichtiger ist. Zumindest in Italien sind eine große Mehrzahl der Mitglieder der von Introvigne so genannten "Antisektenbewegungen" praktizierende Katholiken, doch ideologische/theologische Themen werden in keiner dieser Bewegungen, die ich kenne, diskutiert.
Introvigne jedoch will uns weismachen, wie man an sektenbeobachtende Organisationen herantreten "muß":
Massimo Introvigne, der am 3. Juni 1990 an der allerersten Zusammenkunft dieser Loge teilnahm,
Remi Boyer, ein früherer Rosenkreuzer (AMORC), der Arc-en-ciel geschaffen hatte, einen Zusammenschluß von okkulten und New Age-Gruppen (darunter Sri Chinmoy, die Grand loge indépendent des rites unis, das Institut zur planetarischen Einheit, der Ritterorden vom Rosenkreuz, die Geistige Universität von Brahma Kumaris. Die Gruppe von Theben war Boyers zweites Geschöpf für eine kleinere und vermutlich höhere Gruppe von "Eingeweihten".
Jean-Pierre Giudicelli, der Führer der französischen Abteilung des Ordre de Myriam, ehemaliger korsischer Nationalist und rechtsgerichteter Kämpfer ("Ordre Nouveau" und "Troisième Voie").
Gérard Kloppel, Großmeister des Ordens von Memphis und Misraim.
Jean-Marie Vergério, Führer der "Templer der Circe".
Kotzamanis, Kanzler für Griechenland einer Templergruppe (aus Fauberts Artikel geht nicht klar hervor, ob Triantaphyllos sein Vorname oder der Name der Gruppe ist).
Das interessanteste Mitglied der Gruppe von Theben war sicherlich Christian Bouchet (als kämpferischer Atheist zieht es Bouchet vor, nur bei seinem Nachnamen genannt zu werden). Bouchet war prominenter Redner bei mehreren CESNUR-Ereignissen: bei der internationalen CESNUR-Konferenz in Santa Barbara im Jahre 1991 und viermal in Frankreich im Jahre 1992. Im Lichte der Behauptung von CESNUR, für "Professionalität" und "friedliche Diskussion" zu stehen, ist das recht amüsant. Ich habe keine Vorstellung, ob Bouchet irgendeine berufliche Qualifikation hat, außer ein Anhänger von Aleister Crowley zu sein (er nennt sich selbst "Ethnologe" im Gegensatz zu dem "Soziologen" Introvigne). Bouchet, seit den 70er Jahren in Frankreich ein Kämpfer weit auf dem rechten Flügel, gibt drei gesonderte Zeitschriften heraus. Für die allgemeine Öffentlichkeit gibt es Lutte du Peuple [Volkskampf], eine ziemlich hysterische Publikation, die viele Leute vielleicht als "neo-nazistisch" bezeichnen; dann gibt es Vouloir [Der Wille], eine kulturelle Publikation, die großenteils dem Studium von Nietzsche und Crowley gewidmet ist; doch Eingeweihte haben Zugang zu Thelema, was in Griechisch nochmals "Der Wille" heißt: Thelema ist natürlich Crowleys Lieblingsschlagwort. Bouchet ist Mitglied des Crowleyschen OTO (Ordo Templi Orientis).
Bouchets politische und religiöse Ansichten sollen mich hier nicht interessieren; was mich aber sehr wohl interessiert, ist, wie jemand wie Bouchet in die Art von "friedlicher" und "professioneller Diskussion" eingepaßt werden kann, für die CESNUR angeblich steht. Hier ist beispielsweise eine kurze Rezension, die Bouchet schrieb:
Bouchet tauchte wieder bei einer Konferenz über "Wurzeln und Evolution des modernen Heidentums" in Lyon auf (3. und 4. Februar 1996), wo unter anderem Robert Amadou (ein bekannter Martinist) sprach, sowie die Rechtsextremisten Arnaud d'Apremont und Charles Antoni, Rémi Boyer (wiederum) wie Renato del Ponte, Experte über Julius Evola. Massimo Introvigne, "Direktor von CESNUR", war der Star der Konferenz.
Die Kommentare eines Teilnehmers dieser Konferenz zeigen eindeutig die Art von Bild, das Introvigne erfolgreich auf sein Werk projiziert hat -- statt seine eigene ideologische Bindung zu verbergen, zeigt er, wie er, obschon "Katholik", so doch "gezwungen" ist, gewisse Gruppen objektiv in Schutz zu nehmen; gleichzeitig ist er wissenschaftlicher Experte:
Die Artikel der Gemeinschaft Gruppe von Theben scheinen einige Nichteingeweihte von der Zugehörigkeit ausgeschlossen zu haben. Das bleibt in meinen Augen natürlich ohne Folge, doch es wirft einige Zweifel an Introvignes Recht auf, sich als Katholik zu bezeichnen, wenn man die strikte Verurteilung der Freimaurerei [durch die Kirche] in Betracht zieht. Vier Mitglieder dieser Loge nahmen neben Introvigne selbst an der CESNUR-Konferenz in Lyon im Jahre 1992 teil.
Wie üblich vermied es Introvigne, auf diese Anschuldigungen zu antworten; eine Antwort erschien jedoch in einem Bullettin, das allein für KA-Mitglieder reserviert ist (Domus Aurea Informazioni, 5./10. Sept. 1994, zitiert in Sodalitium, Nr. 39, Nov. 1994, Seiten 20 ff.) und das durch Zufall bekannt wurde. Introvigne behauptete, er habe über fünfzehn Bücher geschrieben, beschuldigte Faubert, "kommunistischer Kämpfer einer kleinen trotzkistischen Gruppe" zu sein, bestritt aber nicht, Mitglied in der Loge zu sein. Er behauptete auch, er habe das Recht, als "Soziologe" bezeichnet zu werden, da er "bis 1993" (das klingt besser als "1991 und 1992", wie in seinem Lebenslauf in Libertà religiosa, 'sette' e 'diritto di persecuzione' ausgesagt) in einem Seminar in der Provinzstadt Foddia (deren Erzbischof damals Präsident von CESNUR war) gelegentlich Religionssoziologie lehrte. Introvigne räumte ein, das Leck bei der Insiderinformation über die Theben-Gruppe habe "objektiven Schaden bei den Gelehrten [angerichtet], die an den Treffen der Gruppe teilgenommen hatten".
Introvigne war nicht immer so freundlich gegenüber der französischen "Neuen Rechten", aus der Bouchet kommt: Doktor Plinio hatte noch nicht seine neuen Richtlinien erlassen. Im Grunde genommen war seine These in der Vergangenheit (Massimo Introvigne, "GRECE e Nouvelle Ecole", in Cristianità; Nr. 32, Dez. 1977), daß die "Neue Rechte" eigentlich links stand. Unter der Überschrift "Eine einsatzbereite herrschende Klasse für die Revolution" findet man die folgende Beschreibung dieser französischen Neuheiden:
Einige interessante Informationen über das Rutherford Institute sind in einem (ziemlich ruppigen pro-Clinton) Dokument zu finden, das den Titel trägt: Laßt uns reden über die Sekte Rutherford "Institute", Paula Jones -- und Bogus Christian, John Whitehead, im Internet mit der URL www.koopersmith.com/ 021989WhitehadAbout: Dieses Dokument bezieht sein Thema aus der Tatsache, daß das Rutherford Institute für einen kostenlosen Rechtsbeistand für Miss Paula Jones sorgt. Der Name des Institutes ist einem Prediger des 17. Jahrhunderts, Samuel Rutherford, entnommen, der glaubte, daß das biblische Gesetz Vorrang vor irgendeinem Gesetz, das Regierungen erlassen, habe. Tatsächlich wurde John Whitehead, der Gründer des Instituts, in einem Artikel im Moral Majority Report (Mai 1983) in günstigem Licht dargestellt: als jemand, der glaubt, daß Gerichte sich der Autorität der Gesetze Gottes zu unterstellen hätten, und daß alle zivilen Angelegenheiten und die Regierungen, auch das Recht, auf die in der Bibel zu findenden Prinzipien gegründet werden sollten.
Wir müssen sehr aggressiv sein, sagte Whitehead. Die Initiative ergreifen. Klage erheben statt verklagt werden.
Whiteheads Buch aus dem Jahre 1982, Die zweite amerikanische Revolution, verherrlicht den presbyterianischen Geistlichen Rousas John (R. J.) Rushdoony, den Vater des "Christlichen Rekonstruktionismus", der an der Notwendigkeit festhält, die Regierung dem biblischen Gesetz zu unterstellen, eine Argumentationsweise, die nicht unähnlich der ist, die hinter dem islamischen Fundamentalismus steht. Gemäß den Rekonstruktionisten sollte das weltliche Gesetz die Todesstrafe verhängen gegen Frauen, die abtreiben lassen, für "reuelose" Homosexuelle und sogar für "unbelehrbare Söhne". Rushdoonys Ministry of Chalcedon behauptet in seiner Broschüre, daß Chalcedon der Errichtung des Rutherford Institute förderlich war, dessen Zweck es ist, Rechtsanwälten bei der Verteidigung religiöser Freiheiten beizustehen. Rushdoony war einmal Direktor des Instituts. Whitehead behauptet, er sei kein Rekonstruktionist, aber einige seiner Aussagen lassen wenig Raum für Zweifel: Die Herausforderung für einen christlichen Anwalt besteht darin, ein vernehmbarer, dynamischer Fürsprecher für den wahren Rechtsberuf zu sein -- den, in dessen Mittelpunkt Jesus steht -- und bei nichts weniger aufzuhören, als das gesamte System zu bekehren. Wie die Katholische Allianz, wenn auch in protestantischem Kontext, glaubt Whitehead daran, die Kontrolle der politischen Rechten, der Republikaner, als einen ersten Schritt auf eine weltweite soziale Kontrolle hin zu erlangen.
Gleichzeitig, und gerade wie bei CESNUR, besteht das Ziel darin, eine ausgedehnte, geeinte Front aller "Religionen" herzustellen, egal ob historische oder selbsternannte, und weltweit vollen Gebrauch von den Sympathien für "unterdrückte religiöse Minderheiten" zu machen. Um diese Front herzustellen, kann das Rutherford Institute, sicher glücklicher als CESNUR, auf ein jährliches Budget von über 8 Millionen Dollar zählen.
Wäre die US-Atomsupermacht ein besseres oder schlechteres Land, wenn sie gänzlich in den Händen einer Gruppe von Fundamentalisten wäre, die entschlossen sind, ihre Lehren dem ganzen Planeten aufzuzwingen? Eigentlich ist diese Frage für uns nicht von Interesse. Wir möchten nur darauf hinweisen, wie diese Freunde von CESNUR hinter der Maske, die "Religionsfreiheit zu verteidigen", Ziele verfolgen, die recht weit entfernt von dem sind, was normale Menschen als Menschenrechte auffassen würden.
Die TFP war auch einer der Sponsoren der Konservativen Führungskonferenz im Jahre 1997, zusammen mit solch vernehmlichen Organisationen wie dem Zentrum für militärische Bereitschaft, der Christlichen Stimme, den Bürgern gegen die Verschwendung der Regierung und dem Bürgerkomitee für das Recht, Waffen zu tragen. Übrigens war die Christliche Stimme zumindest in der Vergangenheit eng mit der Moon-Bewegung verbunden, was uns daran erinnert, wie ein Mitglied der KA sich kürzlich gegenüber einem schockierten katholischen Freund von mir damit brüstete, daß die Angehörigen der Moon-Sekte zweitausend Exemplare eines Buches von Introvigne aufkauften, um sie kostenlos weiterzugeben, "weil es so objektiv war".
Schließlich hatte der Vater der Neuen Rechten, Paul Weyrich, etwas sehr Besonderes über die TFP zu sagen, als er an einer ihrer Konferenzen in Brasilien teilnahm: "In unserem Kampf sowohl in den USA wie auch auf der ganzen Welt ist die TFP eine der wenigen wirklich zuverlässigen und beständigen Organisationen, mit der wir zusammenarbeiten können" (Catolicismo, Okt. 1988, zitiert in Agnoli e Taufer, Seite 82. Catolicismo ist die offizielle Zeitschrift der brasilianischen TFP).
Über den Aufsatz von Plinio Corrêa de Oliveira, Nobility and Analogous Traditional Elites in the Allocutions of Pius XII: A Theme Illuminating American Social History (Oktober 1993, Hamilton Press, ISBN: 0819193100):
PAUL WEYRICH: Traurigerweise geben sich die meisten amerikanischen Eliten heute dem Eigeninteresse hin, nicht dem Dienst, was ein Grund ist, warum die Dinge hier so schlecht stehen. Ihr Buch kann Menschen wieder erkennen helfen, daß wir eine Elite brauchen und haben können, die sich dem Dienen widmet.
MORTON BLACKWELL: Man muß nicht an die Unfehlbarkeit des Papstes glauben, um eine überzeugend gemachte Sache wertzuschätzen. Das Buch argumentiert theologisch, moralisch und weise und wird so viele Leser egal welchen Glaubens überzeugen, daß gute Eliten gerechtfertigt, wünschenswert und, ja, notwendig sind.
Die Sektenrechtfertigung hat CESNUR und Introvigne zu einem Liebling bei vielen Gruppen gemacht, die sich, zu Recht oder zu Unrecht, bedroht fühlen.
So veröffentlicht Liberation Times (trotz ihres Namens in italienisch; Mai 1996) der Osho- Rajneesh-Bewegung (die meiner Meinung nach keine Sekte ist) den gesamten Text des Appells von CESNUR gegen die Diskussion sektenbezogener Themen im Europäischen Parlament. Der Text ist vollgestopft mit den üblichen Kommentaren über ein "wohlbekanntes internationales